Konfliktdiamanten kosten Menschenleben

Mit Diamanten werden noch immer Bürgerkriege finanziert


Noch immer werden in Afrika mit Diamanten Bürgerkriege finanziert. Die Kontrolle des Rohdiamantenhandels wurde durch ein staatliches Kontrollsystem zwar verbessert, bei den Juwelieren und in der Öffentlichkeit ist das Bewusstsein für das Problem der Konfliktdiamanten jedoch nach wie vor gering.

«Konflikt»- oder «Blutdiamanten» sind Rohdiamanten, mit denen Rebellenbewegungen und ihre Verbündete Bürgerkriege finanzieren. In Angola, Liberia, Sierra Leone und der Demokratischen Republik Kongo brachten Rebellengruppen in den 1990er Jahren Diamantenminen in ihre Hand, um mit dem illegalen Verkauf der Steine ihre Waffenkäufe zu finanzieren.

Hunderttausende von Menschen sind in Folge dieser blutigen Auseinandersetzungen gestorben. Diamanten aus Minen an der Elfenbeinküste, wo zurzeit ein gewaltsamer Konflikt im Gange ist, werden noch immer auf dem internationalen Markt gehandelt. Die Uno schätzt ihren Wert auf 23 Millionen US-Dollar. In Angola, der Demokratischen Republik Kongo, Liberia und Sierra Leone spielen Diamanten eine wichtige Rolle bei der Geldwäsche, Steuerflucht und der organisierten Kriminalität.

Der Kimberley-Prozess

Im Dezember 2000 verabschiedete die Uno-Generalversammlung einstimmig eine Resolution, in der sie den direkten Zusammenhang zwischen dem illegalen Handel mit Rohdiamanten und den blutigen Konflikten in Afrika aufzeigte. Im selben Jahr wurde der «Kimberley-Prozess» initiiert, der im Januar 2003 in Kraft trat.

Der «Kimberley-Prozess» ist ein Zertifizierungssystem aller am Diamantenhandel beteiligten Produktions-, Handels- und Konsumentenländer. In jedem Land ist eine staatliche Kontrollinstanz dafür verantwortlich, die Diamantensendungen zu prüfen und in einem versiegelten Paket mit einem Zertifikat weiterzusenden, welches den Wert und das Gewicht der Steine bescheinigt.

Damit sollen die Diamanten bis zur ihrem Ursprung in der Mine zurückverfolgt werden können. Alle importierenden Länder sind dazu verpflichtet, nur Rohdiamanten mit Kimberley-Prozess-Zertifikat zu akzeptieren.

Dank des Kimberley-Prozesses verzeichnet der Kampf gegen Konfliktdiamanten gewisse Fortschritte. Regierungen und Diamantenindustrie setzen sich aber noch zu wenig gegen den Handel mit Konfliktdiamanten ein. An einem Treffen des Kimberley-Prozess im November 2006 in Botswana wurde versprochen, das Zertifizierungssystem zu stärken. Nur wenn die Regierungen und die Diamantenindustrie ihre Versprechen in Taten umsetzen, kann der Handel mit Konfliktdiamanten gestoppt werden. Alle teilnehmenden Länder müssen strenge Kontrollmechanismen schaffen und umsetzen. Dazu gehören Mechanismen, welche dafür sorgen, dass die Diamantenindustrie den Kimberley-Prozess nicht umgeht.


Wenig Bewusstsein beim Schmuckhandel

Um den Kimberley-Prozess zu unterstützen, hat die internationale Diamantenindustrie eingewilligt, ein freiwilliges Garantieschein-System zu schaffen. Damit soll der Handelsweg der Edelsteine bis zum Verkauf überprüft werden können. Denn sobald die Steine geschliffen werden, fallen sie aus dem Kimberley-Zertifizierungssystem heraus.

Von diesem Zeitpunkt an muss die Diamantenindustrie mit Garantiescheinen dafür sorgen, dass keine Schmuggelware in den Handel eingeschleust wird. Alle Rechnungen, die beim Verkauf von Diamant-Schmuckstücken ausgestellt werden, sollten eine schriftliche Garantie enthalten, die bestätigt, dass es sich um unbedenkliche Steine handelt.

Im Herbst 2004 haben Amnesty International und die Organisation «Global Witness» in einer weltweiten Umfrage überprüft, ob die Branche ihr Versprechen einhält. Die Resultate zeigen, dass sich erst eine Minderheit der Schmuckhändler mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

Die freiwilligen Kontrollen sind zu schwach, um den Handel mit Konfliktdiamanten zu unterbinden. Das System der Selbstkontrolle wurde seit dem Versprechen der Branche nicht vollständig umgesetzt.


KonsumentInnen sind gefragt

Amnesty International engagiert sich seit 2000 für eine Eindämmung des Handels mit Blutdiamanten und beteiligte sich aktiv an der Erarbeitung des Kimberley-Prozesses. Amnesty International interveniert auch bei Regierungs- und Branchenvertretern für eine bessere Kontrolle des Diamantenhandels.

Eine entscheidende Rolle spielen aber auch die KonsumentInnen – sie haben es in der Hand, beim Kauf von Schmuckstücken auf «saubere» Steine zu achten.